Endlich! Urlaub! Ich war total geschafft. Am Arbeitsplatz war es hektisch, meine Beziehung mit Julian war kaputt. Ich wollte nur noch weg. Auf Elba hatte ich für zwei Wochen ein Appartement gebucht, nicht weit entfernt vom Strand. Einfach nur relaxen und die Batterien wieder aufladen. Das Appartement entpuppte sich als Bungalow unter weiteren in einer großzügigen Gartenanlage. Außer mir waren lauter Pärchen da, die deutlich für sich sein wollten. Das fand ich enttäuschend, denn wenn ich auch Ruhe suchte, hatte ich mit netten gelegentlichen Kontakten gerechnet. Wenigstens der Strand war schön und der nächste Ort gut erreichbar. Ich kaufte einige Vorräte und ging erschöpft schlafen.

Die ersten beiden Tage verbrachte ich auf meiner Terrasse mit Lesen sowie am Strand. Am dritten Tag hatte ich beim Aufwachen das Gefühl, nicht allein zu sein. Da war jemand in der Küche! Tatsächlich: Eine alte Frau bediente sich gerade aus dem Kühlschrank. Dann hörte ich eine Männerstimme: der Herr, der mir den Schlüssel ausgehändigt hatte. Was war los? Ich erfuhr, dass die Dame seine überraschend angereiste Schwiegermutter sei, die nun mit mir im Appartement leben müsse, bis sie wüssten, bei welchen Verwandten sie unterkomme, denn bei ihm gehe es nicht. Ich sei allein im Appartement, es gebe genug Platz. Sicher könne ich mich um die Dame kümmern, es gehe ihr nicht so gut. Ich war sprachlos. Der Verwalter ging, sagte, er käme bald wieder.

Er kam nicht zurück. Die Dame sah mich grimmig an. Deutsch konnte sie nicht, machte mir aber auf Italienisch mit untermalenden Gesten eindrucksvoll klar, dass sie in mir eine Art Dienstmädchen sah. Ich wollte erst mal duschen und mich anziehen. Das gefiel ihr nicht. Ich sollte ihr Gepäck auspacken – subito. Ich ging trotzdem ins Bad. Sie schrie und hämmerte an die Tür. Ich machte einfach weiter, dann rief ich die Reiseleitung an. Es lief eine Bandansage, aus Krankheitsgründen sei diese Woche niemand da. Die alte Dame schimpfte. Ich frühstückte. Sie redete auf mich ein. Ich suchte den Verwalter – vergebens. Ich ging zu den Leuten der Nachbarbungalows, um mir Rat zu holen, aber die grinsten nur. Es war wie ein böser Traum. Ich fügte mich ins Unvermeidliche. Irgendwie arrangierte ich mich mit der Dame, die mich allerdings weiter für Dienstpersonal hielt. Erst nach einer Woche konnte die Reiseleitung die Sache beenden. Drei Tage später war mein Abreisetag.

Jetzt kriegt der Ferienappartementvermittler eine gesalzene Reklamation – wegen der völlig irrealen Situation, meiner verpatzten Erholung und einer erst spät erreichbaren Reiseleitung, die mich bei besserer Organisation vor so einem Horrorurlaub bewahrt hätte.

« »